Clusterkopfschmerzen erkennen und behandeln

Basiswissen

Clusterkopfschmerz-Attacken sind maximal heftig und meist pochend. Der Schmerz ist halbseitig mit Schmerzmaximum periorbital und wechselt die Seite nicht. Mindestens eines der nachfolgend genannten möglichen Begleitsymptome sollte (ipsilateral) zum Kopfschmerz auftreten:

  • Konjunktivale Rötung und oder Tränenfluss
  • Verstopfte oder laufende Nase
  • Lidödem
  • Schweißbildung (Stirn/Gesicht)
  • Miosis und/oder Ptosis
  • Körperliche Unruhe/Agitiertheit

Clusterkopfschmerzen erkennt man besonders gut daran, dass Attacken typischerweise nur 15–180 Minuten anhalten und meist in 24 Stunden mehr als einmal auftreten. Die Attacken kommen meist etwa zur selben Zeit, oft aus dem Schlaf heraus. Der Verlauf ist meist episodisch, mit Wochen bis wenige Monate anhaltenden Phasen, in denen die Attacken auftreten, und beschwerdefreien Phasen über Monate oder sogar Jahre.

Wegen der Häufigkeit und Schwere der Attacken brauchen die Patienten neben einer schnell wirksamen Akuttherapie praktisch immer eine medikamentöse Prophylaxe. Nicht medikamentöse Verfahren wie Ausdauersport oder Entspannungstechniken sind beim Clusterkopfschmerz nicht prophylaktisch wirksam. Da Alkohol selbst in kleinen Mengen Attacken auslösen kann, sollten Patienten jedoch über die Notwendigkeit einer strikten Alkoholkarenz aufgeklärt werden.

Wichtig zu wissen

Obwohl Clusterkopfschmerzen sehr charakteristisch verlaufen, werden sie aufgrund ihrer Seltenheit oft nicht diagnostiziert. Noch weniger bekannt sind die Behandlungsoptionen des Clusterkopfschmerzes. Da die Attacken extrem schmerzhaft sind und Patienten sogar schon in den Suizid getrieben haben, ist es wichtig, an diesen Kopfschmerz zu denken und Patienten einem Spezialisten zuzuweisen.

Empfehlungen für Ärzte

In der Akuttherapie können Triptane und Sauerstoff eingesetzt werden. Wegen der Kürze der Attacken müssen sehr schnell wirksame Applikationsformen gewählt werden. Das sind Sumatriptan 6 mg subkutan oder Triptan-Nasensprays (Zolmitriptan 5 mg nasal, Sumatriptan 20 mg nasal). Orale Triptane entfalten ihre Wirkung zu spät und sind daher zur Akuttherapie nicht angezeigt.

Zur ersten Wahl in der Akuttherapie, z.B. in der Notaufnahme, gehört auch der Gebrauch von 100% Sauerstoff mittels Non-Rebreather-Maske mit Reservoir (keine Nasenbrille) mit 8–15 Liter/min über 15–20 Minuten.

Die medikamentöse Prophylaxe zielt darauf ab, die Attackenfrequenz und Schmerzintensität zu reduzieren. Sie ist praktisch immer in der Episode indiziert.

Mittel der 1. Wahl ist Verapamil, das bis zur Nebenwirkungsgrenze als Monotherapie unter EKG-Kontrolle aufdosiert wird. Ebenfalls wirksam sind Steroide als Stoßtherapie, z.B. Prednisolon über 5 Tage. Sie wirken in aller Regel sofort, sollten wegen ihres Nebenwirkungsprofils jedoch nur überbrückend eingesetzt werden, z.B. während der Aufdosierphase von Verapamil. Bei Patienten mit erfahrungsgemäß sehr kurzen Episoden können Steroide auch als Monotherapie eingesetzt werden. Auch lang wirksame Triptane (Frova-/Naratriptan) können überbrückend als Kurzzeitprophylaxe eingesetzt werden.

 

Referenzen

 

Letzte Aktualisierung: 2. September 2019
Autor: Dr. med. Ozan Emre Eren

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