Symptomatische Kopfschmerzen: wichtige Symptome

Basiswissen

Alle folgenden Symptome können Anzeichen eines symptomatischen Kopfschmerzes sein:

  • Sehr häufige oder regelmäßige Einnahme von Kopfschmerzmitteln
  • Primär chronischer Verlauf mit fluktuierender Schmerzintensität
  • Wesensänderung des Patienten
  • Nächtliches Schnarchen mit Apnoephasen
  • Plötzlicher Beginn mit neurologischen Fokalzeichen, Sehstörungen
  • Erreichen einer maximalen, nicht gekannten Schmerzstärke in weniger als 1 Minute
  • Alter über 50 Jahre bei Erstmanifestation
  • Begleiterkrankungen wie Immunsuppression, Tumorerkrankung, Gerinnungsstörung

In allen geschilderten Fällen muss ein symptomatischer Kopfschmerz ausgeschlossen werden, wenn es auch Migräneauren mit plötzlichem Beginn und neurologischen Fokalzeichen gibt, sich eine Migräne im Alter von über 50 Jahren erstmals manifestiert und ein Spannungskopfschmerz in Einzelfällen schnell chronifizieren kann. Ein Schmerzmittelkopfschmerz bei Übergebrauch von Akutmedikation ist eine häufige Sekundärfolge primärer Kopfschmerzerkrankungen und ist bei hoher Kopfschmerzlast stets auszuschließen.
Ein neu aufgetretener auffälliger Befund in der neurologischen Untersuchung oder ein neurologisches Herdsymptom ist immer Hinweis auf einen symptomatischen Kopfschmerz, wenn keine typische Migräneaura (visuell, aphasisch, sensibel) oder die typischen periorbitalen Befunde und Symptome der trigeminoautonomen Kopfschmerzen angetroffen werden, etwa beim Clusterkopfschmerz.
Ein typischer Donnerschlagkopfschmerz ist bis zum Beweis des Gegenteils als symptomatisch anzusehen und schnellstmöglich stationär abzuklären. Dumpf drückende Kopfschmerzen bei älteren Menschen können auf eine Riesenzellarteriitis hinweisen, die rasche Bestimmung von BKS und CRP ist zwingend, um irreparable Schäden bis zur Erblindung zu verhindern. Morgendliche Kopfschmerzen kommen beim Schlaf-Apnoe-Syndrom nicht selten vor. Begleiterkrankungen wie in der Frage oben formuliert, aber auch zahlreiche Medikamente (Hormonpräparate, Herz-Kreislauf-Mittel, immunmodulierende Substanzen und viele andere mehr) können Erkrankungen wie Pseudotumor cerebri, Sinusvenenthrombosen, chronische Meningitiden oder pharmakogene Kopfschmerzen auslösen.

Handlungsbedarf

Die allermeisten chronischen Kopfschmerzen sind primär, dennoch haben die Patienten häufig Angst, dass eine zugrunde liegende Erkrankung übersehen werden könnte. Da hierzu der ärztliche Wunsch kommt, „nichts zu übersehen“, entsteht nicht selten eine (meist bildgebende) Überdiagnostik. Wenn die Anamnese typisch und der neurologische Untersuchungsbefund normal ist, kann meist auf weitere Diagnostik verzichtet werden. Umso wichtiger ist es, Warnzeichen für sekundäre Kopfschmerzen nicht zu übersehen.

Empfehlungen für Ärzte

Fragen Sie nach der ganzen Vorgeschichte: Wie waren die Kopfschmerzen früher? Was ist jetzt anders? Welche Begleiterkrankungen liegen vor? Welche Medikamente werden seit wann in welcher Dosis und Häufigkeit eingenommen? Achten Sie auf auffällige Befunde (Blutdruck? Neurostatus?) und anamnestische Hinweise für symptomatische Kopfschmerzen wie oben beschrieben. Nicht immer ist die Überweisung zum cMRT der richtige erste diagnostische Schritt.

 

Referenz

Diagnostik und apparative Zusatzuntersuchungen bei Kopfschmerzen. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie

 

Letzte Aktualisierung: 28. August 2019
Autor: Dr. med. Andreas Peikert

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