CGRP-(Rezeptor-)Antikörper in der Migräneprophylaxe

Basiswissen

Eine Indikation zu einer medikamentösen Migräneprophylaxe ergibt sich u.a. aus dem Leidensdruck des Patienten und der Häufigkeit der Kopfschmerzen. In den Zulassungsstudien wurde die Wirksamkeit der CGRP-(Rezeptor-)Antikörper bei Patienten mit mindestens 4 Migränetagen pro Monat nachgewiesen (1).

Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren von der Teilnahme an den klinischen Studien ausgeschlossen. Tierexperimentelle Daten geben Hinweise darauf, dass das Molekül CGRP protektiv bei Schlaganfällen und Herzinfarkt wirken kann (2). Die aktuelle Studienlage reicht nicht aus, um die Sicherheit von den CGRP-(Rezeptor-)Antikörpern bei diesen Patienten hinreichend zu beurteilen, sodass von Experten derzeit von einem Einsatz bei diesen Patienten abgeraten wird. Die Fachinformationen der Präparate führen kardiovaskuläre Vorerkrankungen allerdings nicht als Kontraindikation an.

Die Behandlung mit einem CGRP-(Rezeptor-)Antikörper ist keine Impfung und hat keinen Einfluss auf das Immunsystem, sodass Impfungen unter der Therapie möglich sind und der Impferfolg hierdurch nicht beeinträchtigt wird.

Das sollte man wissen

Aufgrund der hohen Behandlungskosten kommen die CGRP-(Rezeptor-)Antikörper (Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab) insbesondere bei Patienten in Frage, die auf keine der herkömmlichen medikamentösen Therapien/Wirkstoffklassen (Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin, Valproinsäure, Clostridium botulinum Toxin Typ A) angesprochen haben, für die diese nicht geeignet sind oder die diese nicht vertragen haben. An diese Bedingungen wurde auch die Erstattungsfähigkeit von Erenumab und Galcanezumab vom Gemeinsamen Bundesausschuss geknüpft (3,4,5). Für Fremanezumab steht der Beschluss des G-BA noch aus.

Empfehlungen für Ärzte

Die CGRP-(Rezeptor-)Antikörper sind eine wirksame Therapie bei Patienten mit chronischer und episodischer Migräne. Vor ihrem Einsatz sollten jedoch die nach den Leitlinien der DGN und DMKG (6) empfohlenen Prophylaktika probiert worden sein. Derzeit sollen sie bei Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko nicht eingesetzt werden. Es liegen nur begrenzte Erfahrungen zur Anwendung von CGRP-(Rezeptor-)Antikörper bei Schwangeren vor, sodass diese bei Kinderwunsch, Schwangerschaft/Stillzeit auch nicht angewendet werden sollen. CGRP scheint auch eine protektive Rolle bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zu spielen, sodass bei diesen Patienten eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung erfolgen sollte.

 

Referenzen

  1. Israel H, Neeb L, Reuter U. CGRP Monoclonal Antibodies for the Preventative Treatment of Migraine. Curr Pain Headache Rep 2018;22(5):38.
  2. MaassenVanDenBrink A, Meijer J, Villalon CM, Ferrari MD. Wiping Out CGRP: Potential Cardiovascular Risks. Trends Pharmacol Sci 2016;37(9):779-88.
  3. Gemeinsamer Bundesausschuss 2019, Nutzenbewertungsverfahren zum Wirkstoff Erenumab.
  4. Gemeinsamer Bundesausschuss 2019, Nutzenbewertungsverfahren zum Wirkstoff Galcanezumab.
  5. Gemeinsamer Bundesausschuss 2019, Nutzenbewertungsverfahren zum Wirkstoff Fremanezumab.
  6. Diener H.-C., Gaul C., Kropp P. et al., Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, S1-Leitlinie der DGN und DMKG, 2018, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie.

 

Letzte Aktualisierung: 2. September 2019
Autor: Dr. med. Lars Neeb

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